Der wertvollste Techniker in unserer Produktion ist 71 Jahre alt und arbeitet halbtags.
Irion war bis Januar letzten Jahres technischer Geschäftsführer. Mit knapp 70 hat er die Führungsverantwortung abgegeben. Aber das Unternehmen verlassen wollte er nicht.
Heute arbeitet er halbtags als Elektriker. Er kennt jede Maschine, jeden Fehler, jeden Sonderfall aus den letzten Jahrzehnten.
Das ist kein Einzelfall. Das ist ein Muster, das wir im Mittelstand systematisch unterschätzen.
Dieses Wissen kannst du nicht ersetzen. Du kannst es nicht ausbilden. Du kannst es nicht einstellen. Es ist in einer Person gebunden, die irgendwann geht, und dann ist es weg.
Was mich dabei beschäftigt: Wir reden endlos über Fachkräftemangel. Über Ausbildungsquoten, Zuwanderung, Automatisierung. Aber kaum jemand redet darüber, wie viel Erfahrungswissen in Unternehmen gerade still und leise in Rente geht.
Der rüstige Rentner mit Halbtagsvertrag ist in vielen Mittelstandsbetrieben die unsichtbare Säule der operativen Stabilität. Kein Organigramm bildet ihn ab. Kein KPI misst seinen Beitrag. Aber wenn er fehlt, merkt es die Produktion sofort.
Was ich daraus ziehe: Wer diese Abhängigkeit nicht aktiv auf dem Schirm hat, wird sie irgendwann als Stillstand zu spüren bekommen.
Wie geht ihr in euren Betrieben mit dem Wissenstransfer von erfahrenen Mitarbeitern um?