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Manchmal glaube ich, wir haben unseren Kindern unabsichtlich ein völlig falsches Bild von…

Published June 23, 2026 Last Updated July 1, 2026 linkedin verified
At a Glance

Manchmal glaube ich, wir haben unseren Kindern unabsichtlich ein völlig falsches Bild von der Welt vermittelt. Wir erklären ihnen, dass sie alles werden können, dass sie Rechte haben, dass sie ihre Meinung sagen dürfen, dass sie einzigartig sind. Das alles stimmt. Was wir deutlich seltener erklären: Jemand muss den Laden auch am Laufen halten. Stell dir einen Kindergeburtstag vor. Ein Kind organisiert die Spiele, deckt den Tisch, schleppt die Getränke, räumt hinterher auf und sorgt dafür, dass überhaupt gefeiert werden kann.

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Manchmal glaube ich, wir haben unseren Kindern unabsichtlich ein völlig falsches Bild von der Welt vermittelt.

Wir erklären ihnen, dass sie alles werden können, dass sie Rechte haben, dass sie ihre Meinung sagen dürfen, dass sie einzigartig sind. Das alles stimmt. Was wir deutlich seltener erklären: Jemand muss den Laden auch am Laufen halten.

Stell dir einen Kindergeburtstag vor. Ein Kind organisiert die Spiele, deckt den Tisch, schleppt die Getränke, räumt hinterher auf und sorgt dafür, dass überhaupt gefeiert werden kann. Die anderen Kinder sitzen am Tisch und diskutieren, warum die Limo zu warm, die Muffins zu trocken und die Schatzsuche nicht inklusiv genug gestaltet wurde.

Genau an diesem Punkt würden die meisten Erwachsenen lachen, weil die Absurdität sofort sichtbar wird.

In der politischen Debatte verschwindet dieses Lachen erstaunlicherweise.

Dort diskutieren wir oft stundenlang darüber, wie etwas verteilt werden soll, während immer weniger Menschen darüber sprechen, wer es überhaupt erwirtschaftet. Wir streiten über Ansprüche, Zuschüsse, Leistungen, Förderungen und Ausgleichsmechanismen. Die unbequeme Frage, wer morgens aufsteht, Risiken eingeht, investiert, Verantwortung übernimmt und den ganzen Spaß finanziert, wirkt fast schon unhöflich.

Dabei ist jede Gesellschaft im Kern erschreckend einfach aufgebaut.

Einige Menschen tragen mehr Last, als sie müssten.

Viele tragen ungefähr ihren Anteil.

Und manche entwickeln erstaunliche Fähigkeiten darin, anderen zu erklären, warum sie selbst keine Last tragen können.

Politisch wird das oft als soziale Sensibilität verkauft.

Physikalisch bleibt es Gewichtsverlagerung.

Das Faszinierende ist: Niemand würde in ein Flugzeug steigen, dessen Piloten erklärt haben, dass Verantwortung sie unter Druck setzt. Niemand würde sich auf eine Brücke stellen, deren Ingenieure zuerst ihre Work-Life-Balance geprüft haben, bevor sie die Statik berechnet haben. Niemand würde einen Chirurgen akzeptieren, der während der Operation mitteilt, dass Ergebnisse heute nicht sein Fokus sind.

Beim Wohlstand einer Gesellschaft glauben wir jedoch zunehmend, er entstehe irgendwie von selbst.

Als würde der Kühlschrank sich selbst füllen. Als würden Unternehmen aus guter Laune entstehen. Als würden Arbeitsplätze auf Bäumen wachsen und Steuereinnahmen eine Naturerscheinung sein.

Die eigentliche politische Frage unserer Zeit lautet deshalb nicht, wie wir Wohlstand gerechter verteilen.

Die eigentliche Frage lautet, wie lange eine Gesellschaft über die Verteilung diskutieren kann, bevor ihr auffällt, dass immer weniger Menschen bereit sind, ihn überhaupt noch zu erzeugen.

Denn am Ende gilt selbst auf jedem Kindergeburtstag dieselbe Regel wie in jeder Volkswirtschaft:

Wenn alle Gäste sein wollen, aber niemand Gastgeber, wird die Party erstaunlich schnell beendet.

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Original source: https://www.linkedin.com/posts/irena-staudenmaier-76898422_manchmal-glaube-ich-wir-haben-unseren-kindern-activity-7474369475002130433-wjTi